Mitteilungsblatt des NÖ Landesfischereiverbandes - Ausgabe 1 - 2022
Fischen Inside 9 Es berichtet der FRV I Mit der Erstflutung des Nebenarms Altenwörth im April 2021 wurde der Umgehungsarm zur Donau flussab geöffnet. Bereits nach wenigen Tage nach der Flutung waren große Schwärme von Barben und Nasen noch rechtzeitig zur Laichzeit eingewandert. Erst wenige Jahre zuvor waren mit dem Traisenunterlauf und der Großen Tulln zwei weitere Zubringer des Stauraums Greifenstein zur Donau geöffnet worden, wo das glei- che beobachtet werden konnte. Die großen Fischmen- gen, die hier allein aus einem Donaustauraum in die Zubringer wieder aufsteigen, lassen auch alt gediente Fischökologen staunen. (Gut so!) Über den Sommer 2021 waren dann große Schwärme von Fischlarven und Jungfischen zu beobachten, wie man sie sonst an der Donau nicht mehr findet. Der Schutz vor Wellenschlag gepaart mit den kilometerlangen, guten Strukturen (ange- strömte Kiesbänke zum Laichen und Flachuferzonen für Jung- fische) machen dies möglich. Wie sich beim Schwesternprojekt an der OÖ Donau (Umgehungsarm Ottensheim Wilhering) gezeigt hat, sind die Jungfischdichten, insbesondere in den Flachuferzonen des Umgehungsarms, sehr hoch und liegen im Vergleich zu den dem Wellenschlag exponierten Uferzonen der Donau-Fließstrecken und -Stauwurzeln durchschnittlich ca. um einen Faktor 25 höher. Jungfischdichten bei Elektrobefischungen in Fließstrecken (FS) und Stauwurzeln (SW) der Donau im Vergleich mit Zubringern und dem dynamischen Umgehungsarm Ottensheim-Wilhering (Zauner, Jung Lauber, Mühlbauer & Ratschan, Wasserwirtschaft 12/2017) Was kann sich die Fischerei von diesem Projekt erwarten? Bedenken wir den Reichtum der Donau an solchen Flussstrukturen vor 200 Jahren, lässt sich erahnen, welch enormer Fischreichtum in der unverbauten Donau geherrscht haben muss. Dieses verbesserte Jungfischaufkommen lässt in den nächsten Jahren jedenfalls auch einen verbesserten Adultfischbestand, sowohl bei den Fried- als auch bei den Raubfischen, im Donauabschnitt erwarten. Die Donau im westlichen Tullner Feld vor den wesentlichen Regulierungsmaßnahmen, Pasettikarte (ca. 1850) Über 150 Jahre lang wurde die Donau in Niederösterreich reguliert. Seit nunmehr etwa 25 Jahren wird in kleineren und größeren Projekten versucht, der Donau wieder mehr natürliche Strukturen und Dynamik zurückzugeben. Bei der Betrachtung der historischen Situation (siehe Pasettikarte) wird klar, dass unsere heutige Flächennutzung und die Nutzung der Donau zur Stromproduktion sowie für die Schifffahrt nicht mehr mit einer solch ausgedehnten und dynamischen Flusslandschaft in Einklang zu bringen sind. Es gibt aber immer noch viele Bereiche, in denen der Donau und ihrer Dynamik Raum gegeben werden kann. Nach der Renaturierung des Traisen Unterlaufs stellt die Fischwanderhilfe beim Donaukraftwerk Altenwörth die zweite große Flussrevitalisierung im Tullnerfeld dar.
RkJQdWJsaXNoZXIy MzcwNTA=