Mitteilungsblatt des NÖ Landesfischereiverbandes - Ausgabe 2 - 2023
6 Fischen Inside Es berichtet der FRV I Verbreitung der Äsche im Kamp-Zwettl-Krems Einzugsgebiet Rückkehr der Kamp-Äsche Am 19. Juli 2023 haben Vertreter des NÖ Landesfischereiv- erbandes und des Fischereirevierverbands I in Steinegg am Kamp eine vor kurzem in Betrieb gegangene mobile Fischzuchtanlage besucht. Diese ist das Herzstück eines Forschungsprojekts, welches sich die Wiederansiedelung der Äsche im Mittleren Kamp zum Ziel gesetzt hat. Das Forschungsprojekt „(Wieder) Ansiedelung der Äsche (Thymallus thymallus) am Mittleren Kamp“ ist eine Zusam- menarbeit des Vereins Fliegenfischen am Kamp (unter- stützt durch das Land Niederösterreich und zahlreiche Projektpartner) und der Universität für Bodenkultur in Wien („BOKU“). Der Kauf und die Errichtung des Brutcontainers wurde mit Mitteln des Regionalentwicklungsprogramms LEADER sowie des NÖ Landesfischereiverbands und des Fischereirevierverbands I unterstützt. Das Forschungspro- jekt wird mit Mitteln der Umweltförderung (UFG) des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft finanziert. Die Europäische Äsche (Thymallus thymallus) ist eine zentrale und namensgebende Leitfischart der Mittelläufe vieler österreichischer Fließgewässer („Äschenregion“). Sie bevorzugt klare, kühle Fließgewässer mit sauberem Wasser und ernährt sich hauptsächlich von Insekten. Besondere Merkmale sind die spitz zulaufenden, man- delförmigen Pupillen und die große Rückenflosse, auch Fahne genannt, die bei den Männchen imposant ist. Die Fortpflanzung erfolgt im Frühjahr auf flachen Kiesbänken. Übrigens: der wissenschaftliche Name „Thymallus“ leitet sich von der bekannten Gewürzpflanze ab, da das Fleisch dieses Fisches nach Thymian riechen soll. Leider ist der Bestand der „Thymianduftenden“ in den letz- ten Jahrzehnten aufgrund vielseitiger Veränderungen, wie etwa durch den Bau von Wasserkraftwerken, stark zurück- gegangen. Auch die zunehmende Gewässererwärmung macht ihr zu schaffen. Zwar bietet der Kamp-Mittellauf von Wegscheid bis Rosenburg gute Lebensbedingungen für diese Fischart, doch ist eine natürliche Einwanderung aufgrund der Staukette im Oberwasser und des (natürli- chen) Fehlens dieser Fischart im Unterlauf nicht möglich. Deshalb wurde ein Projekt zur (Wieder)Ansiedlung der Äsche im Kamp gestartet. Die Aufzucht erfolgt unter naturnahen Bedingungen mit Flusswasser aus dem Kamp. Die Eier stammen von Muttertieren aus dem Oberlauf des Kamps und sind daher optimal an das Gewässer angepasst. Die Äschen werden anschließend als Ei in künstliche Nester beziehungsweise als Jungfische im Mit- tleren Kamp ausgesetzt. Der Aufzuchtcontainer ermöglicht es, ideale Bedingungen für das Wachstum der Äschen sicherzustellen und wertvolle Erkenntnisse über ihre Entwicklung zu gewinnen. Darüber hinaus sollen in die- sem Forschungsprojekt effektive Methoden zur Aufzucht auch anderer heimischer Fischarten unter Einsatz einer „mobilen Fischzuchtanlage“ entwickelt und verschiedene Aufzucht- und Besatzmethoden beurteilt werden. Das Vorhaben läuft über 5 Jahre. Nach Projektabschluss im Jahr 2028 wird die Anlage wieder abgebaut und an die Große Mühl im Mühlviertel transferiert. Belegtes Äschenvorkommen Einzelfänge in den Jahren 2005 bzw. 2008 Befischungen ohne Äschenbelege Quellen: Fischdatenbank Austria (Befischungen 2000 bis 2019) und diverse unveröffentliche Befischungen l l l Bericht: Dr. Gerhard Käfel, Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Wasserwirtschaft; BOKU-Team um Thomas Friedrich, DI Dr. Thomas Friedrich, DI Dr. Günther Unfer und Stephanie Popp, MSc.
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