Mitteilungsblatt des NÖ Landesfischereiverbandes - Ausgabe 2 - 2023

13 Fischen Inside „Sag, du bist doch Wiener, hast du das ‚Federspiel‘ schon? Das musst du doch alles selber kennen, was da beschrieben wird, ist doch alles bei euch.“ So kann es einem gehen mit Freunden von hinter dem Walserberg, die fischen, genauer gesagt Fliegenfischen, und ein Faible für entsprechende Literatur haben. Und dann kommt Lob über Lob: „Hat einen sehr guten Stil, der Herr Baudisch, und kurzweilig. Kennst du ihn vielleicht?“ Dann zitiert Peterle auch noch lang und breit daraus. Kurz darauf ein Anruf aus Oberösterreich. Nein, die Traun sei unbefischbar, zum Aus-der-Haut-fahren. „Aber ich lese gerade ein Buch, sensationelle Anekdoten, kann schreiben, der Baudisch … « La pêche est ma Folie », ‚Feuchtgebiet‘, das verkleinernde ‚erl‘ … ‘Exit from Mainstream’, das ist ein Stones-Bezug, glaube ich, … gaudig“. Ein paar Tage später wird mir in einer Freundesrunde aus dem „Federspiel“ zitiert, von adaptierten Liedtexten bis zu Selbsterlebtem … Ich überlege, das Buch nicht zu kaufen, wenn mir alle daraus vorlesen. Allerdings habe ich den Stones-Bezug etwas anders in Erinnerung: „Exile on Main St.“ hat das Doppelalbum geheißen, wenn ich nicht irre. Ich überlege, zur Vermeidung ungenauer Zitate das Buch vielleicht doch zu lesen. Die Empfehlungen rissen nicht ab und bald glaubte ich, selbst aus dem „Federspiel“ zitieren zu können, so detailliert und vor allem kommentiert waren die Zitate. Nur einem gar nicht so Unbeteiligten, der im Wörldweitnetz schrieb es käme ihm vor „[a]ls hätte sich [AB] gedacht, save the best for last“, hätte ich fast gesagt: „Lesens die Gschichteln, Herr Blogger!“, denn AB und seine Freunde denken noch lange nicht ans Schlussmachen! Es blieb beim fast, denn er hat das „Federspiel“ sicher sehr, sehr gründlich gelesen. Die Zeichnungen von Günther Neunteufel erinnern an Illustrationen von DaveWhitlock und anderen, meist amerikanischen Fliegenfischer-Künst- lern, doch passt dieser Zeichenstil gut zu ABs Schreibstil. Abschließend noch zu einem oft übersehenen Punkt, dem Lektorat. Heidemarie Düll ist hoch anzurechnen, dass sie ABs Austriazismen und sogar seine Viennismen Großteils (oder gar zur Gänze?) durchgehen ließ. Die könnten zwar bei der Fischer- und Käufergemeinde hinter dem Walserberg zu Verständnisschwierigkeiten führen, doch behält der Text damit seinen Charme. Nochmals zum Stones-Bezug: zitiert wurde richtig, nur dürfte dem traunwandelnden Musikologen die Phantasie durchgegangen sein und er erfand ihn, vielleicht wegen der vielen Bezüge, Verweise und Umtextungen, sodass es nahe lag …. Daher, seid’s neigierig und losst’s eich nix dazön! Besonderen Dank an GPW, AP, VS, WT, GG, TR, AB und viele andere fürs Vorlesen, hen. p.s.: „Vinea Wachau“ bezeichnet das Geschmacksprofil der Qualitätsstufe „Federspiel“ als „nuancenreich und charakterstark. […] in der Balance zwischen Eleganz und Tiefe“ und merkt an, dass „[d]ie Bezeichnung […] auf die Falkenjagd zurück[geht]: mit dem ‚Federspiel‘ wurden die Falken zurückgeholt.“ Die Beschreibung passt exakt, unklar ist nur, von wo uns AB zurückholen möchte. Alfred Baudisch 295 Seiten / € 25,90, Forelle & Äsche Verlag, Köln 2023, ISBN: 978-3-9818566-6-8 Erlesenes Wie erklärt man den Jüngsten die verschiedenen Lebensräume unserer Fische? Wohl am besten indem man sie ans Wasser mitnimmt. Wenn es draußen aber kalt oder bereits dunkel ist, dann wäre Erzählen oder Vorlesen angesagt. Märchenstunde eben. Jenen, die sich mit dem Geschichtenspinnen etwas schwertun, hat Sabine Urtel ein kurzes, kindgerechtes aber lehrreiches Märchen gereimt und Gregor Gravogl dazu die passenden Bilder gemalt. Die Geschichte beginnt mit der ungewollten Entführung eines Fischeis, aus dem in der Brachsenregion ein kleines Fischchen schlüpft. Dass es im falschen Umfeld ist, wird ihm sofort klar und so macht es sich auf die Suche nach seinem eigentlichen Lebensraum, und auf die Reise. Wer weder GPS noch Karten zur Verfügung hat, ist auf die Hilfe anderer angewiesen. So helfen dem kleinen Fischchen zuerst eine Brachse, dann eine Barbe und schließlich eine Äsche mit ihren Ratschlägen weiter und dabei lernen wir nacheinander die Fischregionen kennen. Auf sehr subtile Weise haben Sabine Urtel und Gregor Gravogl viele lehrreiche Informationen über unsere Gewässer, aber auch über die Leitfische in der kurzen Geschichte verpackt. Wie nebenbei erfahren wir, dass es nicht nur natürliche Gewässerabschnitte gibt, sondern auch hart verbaute und, zum Glück für den Kleinen, auch Fischtreppen. Wer genau hinsieht entdeckt in den Bildern nicht nur leicht wieder- zuerkennende Fische, sondern auch einiges über deren Lebensweise. Dass sich der Text erst beim (Vor)Lesen als gereimt zu erkennen gibt, ist ein weiterer raffinierter Kunstgriff. Wie die Reise ausgeht? Es wäre ja kein Märchen, würde das kleine Fischchen nicht sein eigentliches Zuhause, die Forellenregion, erreichen, trotz aller Hindernisse und auch Gefahren. Ein unterhaltsames und doch lehrreiches kleines Büchlein, das es uns einfach macht, unseren Kleinen die großen Zusammenhänge der Fließgewässer näher zu bringen. hen Der kleine Fisch sucht sein Zuhause, Sabine Urtel (Text) Gregor Gravogl (Illustration) Eigenverlag, 2023, ISBN 978-3-200-09395-9, Hardcover, 24 Seiten; 20 x 20 cm Erhältlich beim NÖ Landesfischereiverband e 13,00 (zzgl. e 3,- Porto für Versand innerhalb Österreich) Der Kleine Fisch sucht sein Zuhause Das Federspiel – Gelebtes Fliegenfischen

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